Worms – Pfeddersheim

Juden in Pfeddersheim (Worms)

Der heutige Stadtteil von Worms hat eine jahrhundertelange eigenständige Tradition, zeitweilig als Freie Reichsstadt, was sich noch heute im Ortsbild widerspiegelt.

Juden haben hier sicherlich schon vor 1444 gelebt, jedoch wurden 1470 alle Juden aus der Kurpfalz vertrieben, somit auch aus Pfeddersheim. Erst mit Ende des 30-jährigen Krieges 1648 gibt es wieder konkrete Informationen über die Anwesenheit und Tätigkeit von Juden. Eine jüdische Kultusgemeinde wurde jedoch erst 1834 gegründet. Bis dahin orientierten sich die Juden entweder nach Worms oder nach Grünstadt, wo sie die dortigen Synagogen besuchten.

Im Jahr 1834 erwarb die Gemeinde ein Grundstück, auf dem eine eigene Synagoge gebaut werden sollte. Viele widrige Umstände verhinderten dies jedoch jahrelang. Schließlich wurde das Grundstück wieder verkauft und ein neues Gelände erworben, auf dem 1842 der Synagogenneubau verwirklicht werden konnte. Der Rückgang der jüdischen Bevölkerung nach dem 1. Weltkrieg führte dazu, dass die Synagoge meist leer stand und nur ganz selten benutzt wurde. Sie wurde dann in der NS-Zeit an einen Privatmann verkauft – wodurch sie der Zerstörung durch die Nazis entging. Heute steht das Haus unter Denkmalschutz und kann für gesellschaftliche Anlässe verwendet werden.

Die wenigen verbliebenen Juden wurden von den Nazis grausam verfolgt, nur wenige konnten ins Ausland entkommen, die übrigen wurden in den Konzentrationslagern ermordet.


Der Friedhof in Pfeddersheim

In Pfeddersheim muss schon vor der Bildung der jüdischen Gemeinde 1834 ein Friedhof bestanden haben. Dies geht aus einer behördlichen Verfügung von 1831/32 hervor. die mit der Genehmigung eines neuen Friedhofs die Schließung des alten zur Bedingung machte.

Auf der jetzigen Begräbnisstätte wurden 62 Grabsteine identifiziert, dabei wird vermutet, dass bis zu 100 Gräber ursprünglich vorhanden waren. Viele der Verstorbenen waren Kinder bzw. Neugeborene, eigene Kindergräber wurden jedoch nicht angelegt. Der älteste Stein ist von 1834, der jüngste datiert von 1937. Aus den Inschriften und dem Vergleich mit vorliegenden Dokumenten konnten viele der Namen und persönlichen Daten erschlossen werden. Es stellte sich auch heraus, dass in Pfeddersheim auch Juden aus verschiedenen anderen Gemeinden bestattet wurden.


Quellen und Literatur (Pfeddersheim)

Spille, Irene: Juden in Pfeddersheim im 19. Und 20. Jahrhundert, in: Der Wonnegau, Wissenschaftliche Zeitschrift der Stadt Worms u nd des Altertumsvereins Worms e. V., 18. Band 1999

Arnsberg, Paul: Die jüdischen Gemeinden in Hessen, Frankfurt 1971

Zillien, Felix: In Stein gemeißelte Trauer, in: Wormser Zeitung vom 06.09.2006, aus www.jgmainz.de

http://www.alemannia-judaica.de/pfeddersheim_synagoge.htm

Autoren: Heiner Knester, Ilvesheim und Dietrich Bösenberg, Donauwörth

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