Die Mikwe מקוה

Wenn man die Mikwe nur als ein Bad ansieht, in dem sich gläubige Juden in den Zustand der rituellen Reinheit versetzen, versteht man den Ursprung, die Bedeutung und die Voraussetzungen für die Nutzung des „Lebendigen Wassers“ nicht.

Schon der in der christlichen Bibel erwähnte „Johannes der Täufer“ predigte die Umkehr vom bisherigen sündigen Leben und läuterte die Menschen durch Untertauchen im lebendigem Flusswasser des Jordan.

Die Anweisungen für diese rituelle Reinigung und die Voraussetzungen für diesen Akt sind schon in sehr alten Schriften und Überlieferungen belegt.

Durch die Benutzung der Mikwe wird der Mensch vom unreinen Zustand – tame – in den reinen Zustand – tahor – überführt. Tame ist man, wenn man sich im weitesten Sinne von G´tt entfernt, wenn man seine Lebensweise nicht nach der Torah ausrichtet. Wenn man einer anderen Religion angehört.

Ein schuldhaftes Verhalten, eine Sünde, ein asoziales Verhalten, entfernt von den heiligen Geboten, macht tame.

Auch Lebenskrisen können uns von G´tt entfernen, uns rituell unrein machen.

Manche schweren Erkrankunge führen zur rituellen Unreinheit.

Nach der Menstruation oder nach einer Geburt muß die Frau durch das Bad wieder rituell rein -tahor- werden.

Der Umgang mit Toten macht rituell unrein.

Aber alle diese Unreinheiten können durch Untertauchen in lebendigem Wasser beseitigt werden.

Eine Mikwe kann ein Fluss, eine Quelle oder ein von einem Fluss durchflossener See sein. Heute ist eine Mikwe meist eine Sammlung von Regenwasser, das durch ein Becken von Brauchwasser fließt und dieses dadurch heligt. Das Tauchbecken muß nach den überlieferten Regeln mindestens 40 Seah, also etwa 540 Liter Wasser fassen. Einem Menschn soll das Wasser bis etwas über den Nabel reichen.

Die kleineren Tauchbäder in Deutschland hatten meist Maße um 1x1x1 Meter und waren bis 80 cm mit Wasser gefüllt. Das entspricht einem Inhalt von etwa 800 Litern. Meist führte eine hölzerne Leiter mit 5 oder 7 Stufen auf den Grund des Beckens. Über dem Becken findet man häufig Haken. Sie dienten wohl dem Aufhängen von Lampen. Manche Deutungen, dass diese Haken dem Absenken von Schwerkranken in die Mikwe mit einer Art Aufzug dienten, sind schwer nachzuvollziehen.

Will man eine Mikwe benutzen, so muss man den Körper so reinigen, dass nichts den Zugang des Wassers zur Haut behindert. Man taucht mehrfach ganz in das Wasser ein und spricht bestimmte Segenssprüche. Danach ist man im Zustand der rituellen Reinheit.

Früher gehörte die Mikwe zu einer jüdischen Gemeinde. Oft wurde die Mikwe noch vor der Synagoge gebaut. Heute sind die Mikwaoth, von denen es in Deutschland etwa 30 gibt, komfortable Einrichtungen mit angewärmtem Wasser und hohen hygienischen Standards.

In liberalen Gemeinden Amerikas ist der Besuch der Mikwe wieder häufig geworden. Die Frauen besuchen sie mit Freundinnen, um die Ruhe zu geniessen und zu sich selbst und zu G´tt zu finden.

Quellen:

http://judentum-projekt.de/religion/mikwe/index.html

www.talmud.de/tlmd/mikwe-das-eintauchen-in-lebendiges-wasser/