Putte (Niederlande)

Von den Juden in Antwerpen

Die Kleinstadt Putte, gelegen in Belgien und den Niederlanden, hat eine besondere Verbindung zu Antwerpen.

Antwerpen ist mit über 500 000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Belgiens. Der Seehafen ist einer der bedeutendsten in Europa. Und auch in Handel und Schleiferei von Diamanten ist sie führend in der Welt.

Seit Jahrhunderten bis heute ist Antwerpen eine multi-kulturelle Stadt, in der viele Religionen ansässig sind. Sie beherbergt auch eine der größten jüdischen Gemeinschaften Europas mit 22 Synagogen.


Die Friedhöfe in Putte

In Belgien existiert nur eine kleine Anzahl jüdischer Friedhöfe. Das ist darauf zurückzuführen, dass in Belgien Gräber (aller Religionen) nicht auf unbegrenzte Dauer erworben werden können. Im Allgemeinen beträgt die Höchstdauer 50 Jahre.

Die Antwerpener Juden haben daher im 19. Jahrhundert nach Möglichkeiten gesucht, in den benachbarten Niederlanden Begräbnisstätten mit Dauerbestandrecht zu finden. Dies ist gelungen in der Kleinstadt Putte, 30 km nördlich von Antwerpen. Der Ort liegt teilweise in den Niederlanden und teilweise auf belgischem Boden.

Der Friedhof der Frechie – Stiftung

Der Eingang zum Frechie-Friedhof

Da in Belgien kein Anspruch auf unbegrenzte Nutzungsdauer für Friedhof und Gräber bestand, gründeten die Antwerpener Juden im Jahre 1884 einen Verein zur Anlage eines privaten Friedhofs ausserhalb von Belgien. Unter Leitung des wohlhabenden Kaufmanns Henricus S. Frechie erwarb der Verein im Jahr 1910 im niederländischen Teil von Putte ein entsprechendes Gelände mit einer Größe von 2469 ha. Im gleichen Jahr fanden die ersten Beerdigung Antwerpener Juden statt. Auch wurden zahlreiche Umbettungen von anderen belgischen Friedhöfen hierher durchgeführt. Um auch auf längere Sicht Bestattungen zu ermöglichen, erwarb der Verein, der in zwischen in eine Stiftung umgewandelt worden war, ein weiteres Gelände mit 1160 ha. Die genaue Zahl der Gräber ist nicht bekannt, man geht zum heutigen Zeitpunkt von weit mehr als 10000 aus. – Auf diesem Friedhof werden hauptsächlich liberale Juden bestattet.

Zur Beachtung am Eingang

Der Friedhof Mahsike Hadass

Eine weitere Vereinigung in Antwerpen erwarb in Putte Gelände zur Einrichtung eines jüdischen Friedhofs. Seit 1910 werden hier orthodoxe und ultraorthodoxe Juden bestattet. Es gelten strenge Regeln, die keinerlei Dekoration der Gräber, Pflanzen oder Bäume zulassen. Es gibt gesonderte Bereiche für Männer, Frauen, Paare und Opfer der Shoa. Auch hier bestehen derzeit vermutlich über 10 000 Gräber.

Eindrücke vom Friedhof

Der Friedhof Shomre Hadass

Das Friedhofstor

1920 wurde dieser dritte Friedhof von Antwerpener Juden in Putte angelegt. Die Gemeinde Shomre Hadass besitzt in der Nachbarschaft der anderen Friedhöfe ein riesiges Areal, auf dem ebenfalls mehr als 10 000 Gräber existieren. Auch hierher wurden nach und nach viele Tote von anderen jüdischen Friedhöfen, vor allem von Antwerpen-Kiel, umgebettet. Der Friedhof ist für Angehörige aller jüdischen Glaubensrichtungen zugänglich.


Quellen und Literatur

http://www.bestjewishstudies.com/shomre-hadass-joodse-begraafplaats-te-putte

https://nl.wikipedia.org/wiki/Lijst_van_Joodse_begraafplaatsen_in_Noord-Brabant

https://www.iajgsjewishcemeteryproject.org/belgium/putte.html

Autoren: Fotos Heiner Knester, Ilvesheim, Text Dietrich Bösenberg, Donauwörth, 01/2018

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