Waibstadt

Juden in Waibstadt

Der Eingang zum Friedhof

Die Kleinstadt mit heute knapp 6 000 Einwohnern gehört zum Rhein-Neckarkreis im nördlichen Baden-Württemberg. Schon im Mittelalter hatte eine jüdische Gemeinde bestanden, wie aus historischen Unterlagen hervorgeht, die jedoch durch Vertreibung und Mord wieder verschwand. Erst nach dem Dreißigjährigen Krieg, etwa 1650, konnten sich wieder einige jüdische Familien ansiedeln. Die Gemeinde war stets sehr klein, die Höchstmitgliederzahl betrug 1887 67 Personen. Sie besaß seit 1845 eine recht einfache Synagoge, die bis 1925 benutzt wurde. 1933 lebten in Waibstadt noch 11 Personen jüdischen Glaubens, die letzten fünf wurden 1940 deportiert und größtenteils ermordet.


Der Friedhof in Waibstadt

War die jüdische Gemeinde selbst stets recht klein, so besass der Ort doch einen grossen und bedeutenden Friedhof. Mit rund 233 a war er einer der grössten  jüdischen Friedhöfe in Baden-Württemberg. Angelegt in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts – der älteste bekannte Grabstein datiert von 1690 – diente er anfangs für bis zu 80 Gemeinden als Begräbnisstätte. 1913 nutzten noch immer 10 umliegende Gemeinden den Friedhof.

Die 2556 erhaltenen Steine gruppieren sich in einen älteren, der Strasse abgewandten Teil mit rund 2200 Gräbern und einen neueren Bereich mit ca.300 Gräbern, die zur Strasse zu angeordnet sind.

Besonders fällt ein Bauwerk im nordwestlichen Teil des Friedhofs ins  Auge: hier hat der Frankfurter Unternehmer Dr.h.c. Hermann Weil 1925/27 ein Mausoleum errichten lassen, in dem seine Urne, die seiner christlichen Frau und seiner Pflegerin ihre letzte Ruhe finden sollten. Eine direkte Strasse dorthin wurde eigens gebaut, sie trägt heute seinen Namen. Das Bauwerk hat die Form eines achteckigen Kuppelbaus mit Ehrenhof und vorgelagerter Treppenanlage. Das Innere wurde mit farbigem Marmor für den Fussboden und  einem prächtigen Keramikmosaik für die Kuppel ausgestattet.

Bei den November-Pogromen 1938 wurde die Anlage verwüstet und die Urnen geraubt. Die Stadt Waibstadt hat eine aufwändige Sanierung durchgeführt.

Die Vielfalt und den Reichtum an Geländeeindrücken, Steinformen, Ornamenten und Symbolen zeigen die nachstehenden Fotos sowie die anschliessende Bilderfolge.

Grabsteinvielfalt in Waibstadt

Grabsymbole und Ornamente

Die Symbole bedeuten:

Buch = Rabbiner, Schriftgelehrter 
gebrochene Säule = früh aus dem Leben gerissen 
Kanne = Angehöriger der Leviten
Krone = ein guter Name 
Leuchter = Frauengrab 
Messer = Beschneider 
Rosette = ewiges Leben
Schmetterling = Vergänglichkeit des Lebens 
segnende Hände, deren Daumen und  Zeigefinger sich berühren = Angehöriger der Priesterschaft 
Weinstock/Reben = erfolgreiches Leben 
Widderhorn (Musikinstrument) = Schofarbläser (bei religiösen Festlichkeiten)


Quellen und Literatur

Alicke, Klaus-Dieter: Lexikon der jüdischen Gemeinden im deutschen Sprachraum, 2008

Brocke, M., Müller, Ch. E.: Haus des Lebens, Jüdische Friedhöfe in Deutschland, Leipzig 2001

Hahn, Joachim: Erinnerungen und Zeugnisse jüdischer Geschichte in Baden-Württemberg, Stuttgart 1982.

http://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCdischer_Friedhof_Waibstadt

Autoren: Heiner Knester, Ilvesheim und Dietrich Bösenberg, Donauwörth

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