Wien

Juden in Wien

Das Denkmal, darunter Reste der Synagoge

Seit dem 12. Jahrhundert siedelten Juden in Wien.Einer der ersten Juden, Schlomo, war der Münzmeister der damaligen Herzöge und stellte unter anderem das Lösegeld für Richard Löwenherz zur Verfügung.Die Juden wohnten damals um den heutigen Judenplatz herum. Dort stand auch die erste Synagoge, deren Grundmauern unter dem Denkmal noch zu besichtigen sind.

Nach 1600 wechselten Vertreibungen mit Neuansiedlungen, einzelne Juden dienten dem Hof als Finanziers und Hoffaktoren.

Neben den askenasischen Juden gab es eine kleine sephardische Gemeinde, die den Türkischen Tempel als Synagoge betrieb.

Das Toleranzedikt unter dem Sohn von Maria Theresia führte zur teilweisen Emanzipation der Juden.

Nach 1800 wurden weitere Restriktionen aufgehoben, nach 1848 waren die Juden gleichberechtigt. . Sie stellten bekannte Gelehrte in Wien. Sie waren führend im kulturellen Bereich. Der heutige Stadttempel wurde gebaut.

Viele Juden aus den östlichen Teilen des österreichischen Reiches drängten nach Wien. Um 1900 lebten dort bis zu 2 Millionen Juden. Sie verdrängten die einheimische Bevölkerung in manchen Berufen fast völlig.

Juden stellten alle Besitzer von Metall- und Eisenhandlungen, 70-80% der Rechtsanwälte, Möbelhändler, Weinhändler, Konditoren, Schuhhersteller, Textilhändler, Ölhändler und Kürschner. Sie stellten die Hälfte der Ärzte, Apotheker, Bäcker, Geflügelhändler, Juweliere und Besitzer von Cafehäusern.

Es entwickelte sich ein ausgeprägter Antisemitismus, der vorwiegend durch den Neid auf die erfolgreichen Konkurrenten bedingt war, sich aber dann unter dem Deckmantel des rassischen und „völkischen“ Antisemitismus austobte.

Berühmte Juden aus dieser Zeit:                                                                     

  • Theodor Herzl
  • Siegmund Freud
  • Alfred Adler
  • Martin Buber
  • Karl Kraus
  • Gustav Mahler
  • Arthur Schnitzler
  • Felix Salten
  • Joseph Roth
  • Joseph Popper
  • Billy Wilder
  • Arnold Schönberg
  • Heinrich Sussmann

Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich wurden die Juden grausam verfolgt und mit Nazi-Präzision verschleppt und getötet. Namen wie Brunner und Eichmann stehen für die mörderische Effektivität der Mordmaschinerie.

Nur wenige Juden überlebten den Holocaust.

Heute existiert wieder eine lebendige jüdische Gemeinde. In Wien, besonders in der Leopoldstadt, existieren 11 Bethäuser und Synagogen. Es gibt viele koschere Restaurants, Cafes und Geschäfte.

Die Synagoge im Stadtzentrum

Die Friedhöfe in Wien

Das Grab von Theodor Herzl. Foto Michael Kranewitter, Wikimedia Commons, CC-by-sa 4.0

Sechs jüdische Friedhöfe zeugen von der jüdischen Besiedlung Wiens über viele Jahrhunderte. Zahlreiche Gräber von Wissenschaftlern und Kulturschaffenden belegen die einstige kulturelle Blüte des jüdischen Wien.

Der Döblinger Friedhof

Döblinger Friedhof Israelitische Abteilung Foto Michael Kranewitter, Wikimedia Commons, CC-by-sa 4.0.jpg (119,0

Der Döblinger Friedhof liegt im Nordwesten der Stadt Wien an der Grenze zum Stadtbezirk Währing. Bemerkenswert ist, dass Tote aller Religionen nebeneinander ihre letzte Ruhe fanden. Der Teil mit vorwiegend jüdischen Gräbern wurde im Jahre 1888 zuerst belegt. Hier liegt das Grab von Theodor Herzl. Seine sterblichen Reste wurden 45 Jahre nach seinem Tod im Jahre 1949 nach Israel überführt.

Der Friedhof von Floridsdorf

Ein wenig ansprechender Außenbereich

In Floridsdorf auf der rechten Donauseite liessen sich um 1845 Juden aus Mähren nieder. Im Jahre 1870 fan die erste Beerdigung auf dem Friedhof an der Ruthnergasse statt. Sie liegt in der Nähe der weinenden Brücke. Die jetzige Tahara Halle baute man im Jahre 1952. Der Friedhof wurde im Jahre 1978 geschlossen.

Die jüdische Gemeinde von Floridsdorf mit ihrer Synagoge in der Holzmeistergasse wurde im Nationalsozialismus vernichtet.

Der Friedhof in der Seegasse

Auf dem Friedhof in der Seegasse

Der jüdische Friedhof Rossau wird wegen seiner Lage nahe der Innenstadt auch „Der Friedhof in der Seegasse“ genannt. Er wurde um 1540 zuerst belegt und ist wohl der älteste Friedhof Wiens. Er wurde ab 1783 nicht mehr benutzt.

Der Friedhof liegt im Hof eines Altersheims. Dort stand früher ein jüdisches Krankenhaus.

Im Jahre 1941 sollte der Friedhof zerstört werden. Viele Grabsteine wurden auf den Zentralfriedhof geschafft und dort vergraben. Nach 1980 wurden die Grabsteine nach alten Plänen wieder an ihrem ursprünglichen Ort aufgestellt.

Der Währinger Friedhof in der Schrottenberggasse

Die Aussenmauer mit dem Eingangstor

Der jüdische Friedhof in Währing nahe der Innenstadt, wurde im späteren 18. Jahrhundert zuerst benutzt. Er war dann lange die hauptsächliche  Begräbnisstätte der Wiener Juden.Um 1880 wurde der Friedhof geschlossen.Eine Sanierung wäre erforderlich,da er wegen der Baufälligkeit der Grabmale und der damit verbundenen Gefahren nur noch eingeschränkt zugänglich ist.

In der NS Zeit wurde der Friedhof teilweise zerstört, gefundene Knochen wurden auf dem Zentralfriedhof beerdigt, Leichenreste einem Museum zur Verfügung gestellt.

Auch nach dem Krieg geht bis heute das entwürdigende Gezerre um die Erhaltung des Friedhofs weiter.

Der alte jüdische Teil auf dem Zentralfriedhof

Der „Alte“ jüdische Friedhof auf dem Zentralfriedhof wurde 1877 zuerst belegt Der Friedhor hat eine Fläche von 260.000 m². Bis zur Schliessung im Jahre 1916 wurden 80.000 Juden hier beerdigt.

Der Friedhof ist so riesig, dass hier auch Hirsche leben können.

Der neue jüdische Teil auf dem Zentralfriedhof

Die Tahara Halle auf dem neuen Friedhofsteil

Der ursprüngliche jüdische Teeil des Zentralfriedhof war rasch zu klein geworden. Im Jahre 1911 wurde das Areal im Süden des Zentralfriedhofs gekauft. Im Laufe der Jahre wurde die alte, kleine Tahara Halle durch das jetzige repräsentative Gebäude ersetzt.


Quellen und Literatur

Werner Bauer: Wiener Friedhofsführer.  Falter Verlag, Wien 2004

Traude Veran: Das steinerne Archiv – Der Wiener jüdische Friedhof in der Rossau. Mandelbaum-Verlag, Wien 2006

https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCdisches_Leben_in_Wien

http://wiki-de.genealogy.net/Wien/Geschichte_j%C3%BCdischer_Friedh%C3%B6fe

Fotos und Texte: Gisela&Wolfgang Heumann, 4_2017

Show CommentsClose Comments

Leave a comment