Vechta

Jüdisches Leben im Vechta

1709 wird Moses Meyer als erster in Vechta ansässiger Jude genannt. Später sind auch weitere Familien erwähnt, die überwiegend aus benachbarten Städten zugezogen sind und Handel mit diversen Gütern trieben. Neben Vieh- und Fellhandel wurden Geschäfte mit Textilien, Kaffee, Tee und teilweise auch mit Gold und Silber gemacht.

Eine erste Synagoge hat es wohl schon 1784 gegeben. Im Jahre 1825 wurde dann eine neue Synagoge gebaut, die bis 1940 Bestand hatte. Die jüdische Gemeinde hat 1771 einen eigenen Lehrer bestellt, der sowohl für den Unterricht der Kinder, als auch für den Gottesdienst zuständig war. Im Lauf der Jahre waren viele verschiedene Lehrer in Vechta tätig, die häufig aus Osteuropa stammten. Da die Zahl der Kinder aus Vechta relativ gering war, nahmen auch Kinder aus den Nachbargemeinden am Unterricht teil. Ab 1937 mussten die wenigen Kinder an der jüdischen Schule in Oldenburg unterrichtet werden, bis auch diese aufgehoben wurde.
Ein interessantes Schlaglicht auf die Situation der Juden in Vechta gestattet die Tatsache, dass noch im Jahre 1847 von der damaligen Regierung des Herzogtums Oldenburg ein Schutzbrief ausgestellt bzw. erneuert wurde, und zwar für den Kaufmann Leffmann Joseph Moses. Neben anderen Vorschriften war eine Schutzgebühr vorgeschrieben, ausserdem die Androhung  des Verlustes des Schutzes bei Verstoss gegen die Bestimmungen.

Mir der Machtübernahme durch die Nazis 1933 war auch in Vechta die verstärkte Benachteiligung, Verfolgung und Vertreibung der Juden verbunden. In der Stadt hatte  lange Jahre ein gutnachbarliches Verhältnis zwischen Juden und Christen bestanden. Dies hat sich auch noch in den ersten Jahren der Nazi-Herrschaft erhalten, wurde jedoch schliesslich radikal unterbunden, bis 1939 keine Juden mehr in Vechta lebten.


Der Friedhof in Vechta

Schon im Jahre 1835 wird ein jüdischer Friedhof am Stoppelmarkt erwähnt, die erste nachweisbare Beerdigung datiert jedenfalls aus diesem Jahr. Der Friedhof hat eine Grösse von 1100 qm, 26 Grabsteine sind erhalten. Der älteste Grabstein stammt von 1837. 1936 erfolgte die letzte Bestattung.

Der Eingang zum Friedhof

Einige Grabsteine und ihre Inschriften

P.N. EIN GEACHTETES WEIB, MARATH SERCHEN BATH NATHAN SPANIER, HERFORT, WEIB DES ANSCHIL MOSES, VERSCHIEDEN B.S.T. (= mit einem guten Namen) ALS 56JÄHRIGE. ESK., 22. AW 627 I.F.K. (= 23. August 1867) T.N.Z.B.H. (Sophie Moses, geb. Spanier Herfort, Tochter von Nathan Spanier Herfort)

Erklärung einiger Abkürzungen: (nach J.-F. Töllner)

D.O.     – im oben genannten Monat
E.S.K:   – heiliger Schabat-Abend
J.J.       – steht für Gott
P.N.     – hier ist begraben
R. CH.   – Neumond

Die Übertragung der Inschriften wurde übernommen aus: J.-F. Töllner, Die jüdischen Friedhöfe im Oldenburger Land, Oldenburg 1983, Seiten 671 – 69.


Quellen und Literatur

Schiekel, H.: Die Juden in Vechta

Sieve, P.    : Das Schicksal der Vechtaer Juden im Dritten Reich
in: Sonderdruck aus Beiträge zur Geschichte der Stadt Vechta, 1988

Töllner, J. – F.: Die jüdischen Friedhöfe im Oldenburger Land, Oldenburg 1983

Autorin: Marianne Rehling

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