Städtel

Staedtel in Mittelschlesien (heute Miejsce, Kreis Namslau/Namysłow) ist ein kleines Dorf mit 243 Einwohnern, etwa 60 km südöstlich von Breslau/Wrocław gelegen. Zumindest seit 1657 gab es hier eine jüdische Gemeinde, in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war es die größte jüdische Landgemeinde Schlesiens. 1841 zählte sie 241 Seelen, mehr als 1/3 der Gesamtbevölkerung.  In diesen Jahren hatte die Gemeinde auch ihren ersten und einzigen eigenen Rabbiner, den Rabbi David b. Eliezer/David Lazarus Laque[u]r  (1772 – 1836), meinen Ur-Ur-Urgroßvater. Ab der Jahrhundertmitte wanderte ein Großteil der jüdischen Einwohner von Staedtel ab in die umliegenden Städte wie Namslau, Brieg und Oels, teilweise auch nach Breslau und Berlin und bis nach Budapest. Bereits 1890 wurde die Gemeinde von Staedtel an die von Namslau angegliedert. 1925 zählte man nur noch 10 jüdische Einwohner in Staedtel.

Zum Artikel in Hagalil:


Der jüdische Friedhof von Städtel

Der einstigen Bedeutung der Gemeinde entspricht auch ihr Friedhof, der auf das Jahr 1771 zurückgeht. Er ist der größte jüdische Landfriedhof in Schlesien, auf einer Fläche von ca. 0,36 ha zählt man heute 239 Grabstätten, davon ca. 30% mit umgestürzten, teilweise auch zerbrochenen Grabsteinen. Dem ehemaligen Friedhofseingang gleich gegenüber liegt das Grab des Rabbis. Dieses wollte ich besuchen und den Ort seines Wirkens kennenlernen, und fuhr dazu im Sommer 1995 nach Polen.

Das Auffinden des Friedhofes gestaltete sich schwierig: Zunächst galt es, im Dorf jemanden zu finden, dem ich mich verständlich machen und der mir Auskunft geben konnte. Ein junger Mann meinte, meinen Wunsch verstanden zu haben und führte mich – zum katholischen Kirchhof … Da sein Englisch ziemlich begrenzt war, zog er seine etwa 6-jährigen Bruder hinzu, der die Sprache weit besser konnte und mein Anliegen übersetzte. Nach etlichen Rückfragen bei älteren Dorfbewohnern wußte er den Weg, vom Dorfrand aus etwa 1 km über einen Feldweg (der eigentlich nur für Traktoren befahrbar ist) bis an den Waldrand. Hinter den ersten Bäumen lag der Friedhof, von Gras und Unterholz völlig überwuchert, die Steine dick vermoost.

Spuren von Vandalisierung waren nicht zu erkennen, jedoch erfuhr die Friedhofsruhe eine sehr nachhaltige Störung, als hier – wohl Anfang 1945 –  gekämpft wurde. Einige durchschossene Grabsteine, so auch der des Rabbi David b. Eliezer,  zeugen davon.

zu den Quellen und der Literatur

Show CommentsClose Comments

Leave a comment