Worms

Worms ist eine Stadt im Südosten von Rheinland – Pfalz und liegt am westlichen Ufer des Rheins.

Der Streit, ob Worms die älteste Stadt Deutschlands ist, wird sich nicht endgültig klären lassen, so lange auch Augsburg, Trier und Kempten dieses Attribut für sich beanspruchen.

Worms ist Nibelungenstadt, Lutherstadt, Domstadt und war auch und vor allen Dingen das geistliche und geistige Zentrum jüdischer Religion, Kultur und Wissenschaft.

Die Schum – Städte Worms, Speyer und Mainz wurden wegen ihrer berühmten Talmudhochschulen und Rabbinerkonferenzen auch das „Jerusalem am Rhein“ genannt. Diesen Städten wurde auf einer Zusammenkunft von Rabbinern in Frankreich die höchste Autorität in religiösen und juristischen Fragen zuerkannt. Die Entscheidungen der Wormser Rabbiner waren damit verbindlich für das askenasische Judentum in Europa. Die Entscheidungen der Rabbiner wurden bereits im Jahre 1220 in einem Buch veröffentlicht.

Die Städte Worms, Speyer und Mainz haben im Jahre 2014 erreicht, in die deutsche Antragsliste für das UNESCO – Weltkulturerbe aufgenommen zu werden. Die Entscheidung fällt im Jahre 2020.

Juden in Worms

Der Sage nach sollen die ersten Juden nach der Zerstörung des Tempels durch Titus nach Worms gekommen sein. Sie sollen Erde aus dem heiligen Land mitgebracht und sie unter den Mauern der ersten Synagoge abgelegt haben. Noch jetzt soll Erde aus Jerusalem auf dem jüdischen Friedhof liegen.

Ein sicherer Nachweis jüdischen Lebens gelingt etwa vom Jahre 950 an. In Beschreibungen der Frankfurter Messe werden Wormser Juden erwähnt. Die älteste Synagoge in Worms wurde im Jahre 1034 gebaut. In dieser Zeit entstand auch die Judengasse, die an der nördlichen Stadtmauer lag.

Anfangs wohl nicht als Ghetto angelegt, wurden die Juden mit zunehmender Verfolgung gegen Ende des 13. Jahrhunderts in der Gegend der heutigen Judengasse isoliert.

Zu erwähnen sind die blutigen Verfolgungen durch die Kreuzfahrertruppen in den Jahren 1096 und 1146. Nicht wenige Juden töteten sich eher selbst, als unter Zwang Christen zu werden. „Kiddusch Ha Shem“ – Heiligung des Namens.

Das Jahr 1349 bedeutete mit den Pestpogromen das Ende der jüdischen Gemeinde. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts wurden die Juden jedoch von der Stadt Worms wieder zurückgeholt und die zerstörte Judengasse neu aufgebaut. Dabei dürften wirtschaftliche Interessen im Vordergrund gestanden haben.

In den folgenden Jahrhunderten lösten sich Wechselbäder von Entrechtungen und Verfolgungen ab. Die Juden durften zunehmend nur noch im Ghetto wohnen, der Aufenthalt war stets befristet, ab 1526 mussten sie den „Judenfleck“, einen gelben Ring auf schwarzem Mantel, tragen.

 Bis in das frühe 20. Jahrhundert bestand trotz aller Verfolgungen eine lebendige jüdische Gemeinde in Worms.

In der NS Zeit wurden die Juden gedemütigt, verfolgt und getötet. Synagogen und sakrale Gegenstände wurden zerstört. Am 10. Mai 1933 wurden in Worms auf dem Vorplatz des Amtsgerichts Bücher verbrannt.

Die Wormser Gemeinde hat sich von diesen Untaten nie wieder erholt.

In neuerer Zeit hat Worms wieder eine kleine jüdische Gemeinde. Der Zuzug von Juden aus Russland hat den Wunsch genährt, eine eigene Wormser Gemeinde zu gründen. Das hat zu Differenzen mit dem Landesverband geführt, der die Zersplitterung der ohnehin nur etwa 3000 Rheinland-pfälzischen Juden in sehr kleine Gemeinden nur ungern sieht.

Da das Benutzen der alten Synagoge nur eingeschränkt möglich und die neue, 1945 errichtete Synagoge zu klein war, wurde im Jahre 2010 eine neue Synagoge mit Gemeindezentrum errichtet.

Judengasse und Synagogen

Die Synagogen

Die alte Synagoge, Vorderansicht

Die Synagoge in Worms wurde im Jahre 1034 erbaut. Sie ist damit die älteste Synagoge Deutschlands und umfasst einen ganzen Komplex von Anbauten und Gebäuden.

Es wird vermutet, dass die Synagoge von den gleichen Handwerkern begonnen wurde, die auch am Wormser Dom tätig waren. Das Nordportal der Männersynagoge wurde zwar nicht zu Ende gebaut, weist aber ähnliche Verzierungen wie der Dom auf.

Der erste Bau wurde während der Kreuzzüge, als die jüdische Gemeinde nahezu völlig ausgelöscht wurde, stark in Mitleidenschaft gezogen.

Hinteransicht der alten Synagoge

Im Jahre 1174 wurde die Synagoge neu erbaut. Im Jahre 1212 kam ein Gebetssaal für Frauen, die „Frauenschul“, als Anbau an die Männersynagoge hinzu. Sie wies innen ursprünglich nur fünf kleine Fenster auf, so dass die Frauen den Gottesdienst zwar hören, aber nicht sehen konnten.

Die heutigen Fenster wurden erst bei späteren Renovierungen zur heutigen Form umgebaut, es kam auch eine Tür als Verbindung zur Männersynagoge hinzu.

Die Mikwe wurde im Jahre 1186 erbaut. Sie liegt an der südwestlichen Ecke der Männersynagoge. Das Bad liegt etwa sieben Meter unter der Erde und ist über eine Wendeltreppe zu erreichen.

Im Pestjahr 1348 wurden die Juden beschuldigt, die Pest verursacht zu haben. Sie wurden ermordet, die Synagoge mit den Anbauten zerstört.

Der Neubau begann etwa 10 Jahre später, als die ersten Juden zurückkehrten, auf den Grundmauern der alten Synagoge, aber in gotischem Stil.

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts stiftete David Oppenheim die Raschi Jeschiwa, die den alten „Schul“ Bau südlich der Synagoge ersetzte. In dem ersten Bau soll „Raschi“, der berühmte Rabbi Schlomo ben Jizchak, Kommentator des Tanach und des Talmuds, unterrichtet haben. Ob er auf dem bekannten „Raschi – Stuhl“ gesessen hat, ist fraglich und eher der Legende zuzuordnen.

Der Anbau wurde in seiner langen Geschichte mannigfaltig genutzt: Als Wohnung für die jeweiligen Rabbiner, als Talmudschule, Krankenhaus, Tanzsaal und jetzt als Teil des Stadtarchivs mit jüdischem Museum.

In den folgenden Jahrhunderten wurde die Synagoge bei Pogromen und Kriegen mehrfach zerstört und wieder aufgebaut. Die sakralen Gegenstände wurden gestohlen, der Bau entweiht und missbraucht.

Um 1700 erhielt die Synagoge beim Wiederaufbau die heutige barocke Form. 1841 bekannte sich die Gemeinde zu einer liberalen Glaubensausrichtung, es wurde eine Verbindung zwischen dem Frauen- und Männerteil des Innenraumes geschaffen. Diese Form des Baues ist bis 1938 erhalten geblieben.

Die Synagoge wurde mit allen Nebengebäuden im November 1938 von Barbaren niedergebrannt und später gesprengt.
Ein Archivar rettete einen Teil der Geräte und Inschriften.

Nach dem Krieg wurde die Synagoge mit den Anbauten wieder nach den alten Plänen aufgebaut und im Jahre 1961 eingeweiht. Heute finden hier wieder Gottesdienste statt.

Ein Gedenklicht zwischen Männer- und Frauensynagoge erinnert an die Opfer der Verfolgung, ein eingemauerter Stein aus Israel soll an die Verbindung der Juden mit „Bet Israel“, dem Gelobten Land, erinnern.

Als die Ausrichtung Gemeinde eher liberal wurde, fanden die orthodoxen Gottesdienste zunächst in der „Rashi – Schul“, ab 1875 in der neu erbauten Levy – Synagoge, gegenüber der alten Synagoge, statt. Diese Synagoge wurde 1938 entweiht, der Innenraum verwüstet. Sie wurde nicht abgebrannt.

Im Jahre 2010 wurde die neue Synagoge mit Gemeindezentrum erbaut.

Das jüdische Viertel

Schon sehr früh nach der ersten Besiedlung der Stadt durch Juden bildete sich die Judengasse an der heutigen Stelle heraus. Sie lag vom Beginn an an der nördöstlichen Stadtmauer. Ein östliches Tor machte die Wege kurz zu den Handelshäusern am Rhein. Ein eigentliches Ghetto hat es in Worms nie gegeben. 

Im Bereich der Judengasse wurden mehrere Synagogen, die Mikwe und das Raschi Haus angelegt. Hier entwickelte sich reiches jüdisches Leben

Der heutige Bestand an Häusern und die wieder aufgebauten sakralen Gebäude lassen erahnen, wie lebhaft es in diesem Bezirk früher zugegangen sein muss.

Die Mikwe

Der Eingang zur Mikwe

Die Mikwe befindet sich im Garten der Synagoge. Sie wurde in den Jahren 1184 bis 1186 im romanischen Stil erbaut. Sie ist eines der ältesten erhaltenen Ritualbäder der Welt. Ein oberirdisches, im 19. Jahrhundert abgerissenes Badehaus, ebenfalls im romanischen Stil, diente wohl auch der Säuberung.

Heute führt eine Treppe in einen engen Vorraum, der wohl als Umkleidenische diente. Von dort führt eine halbkreisförmig geschwungene Treppe sieben Meter bis zum Wasserspiegel in die Tiefe. Der Spiegel liegt heute bei sieben Meter von der Erdoberfläche.

Die Wand vom Vorraum zum Brunnenschacht durchbrechen zwei große romanische Fenster.

RASHI in Worms

RASHI, wohl der bekannteste jüdische Gelehrte, ist für immer mit dem Namen Worms verbunden. Geboren im Norden Frankreichs im Jahre 1040, kam er später an die Talmudhochschulen der SCHUM – Städte Worms, Mainz und Speyer.
Er war und ist einer der berühmtesten Gelehrten seiner Zeit.

RASHI ist das Akronym von Rabbi Shlomo ben Jischak. Geboren in Troyes, lebte er von 1055 bis 1065 in Mainz und Worms. Er ging dann wieder in seine Geburtsstadt zurück. Hier gründete er eine eigene Talmudschule.

Am Rhein und in Troyes verfasste er seine auch heute noch gültigen Kommentare zu Tanach und Talmud. Er stand dabei in engem Kontakt mit seinen Schülern in den Lehrhäusern am Rhein.
Seine Kommentare zur Thora werden auch heute noch studiert. Sie sind Bestandteil des Babylonischen Talmud.

Seine Lehrer in Worms und seine späteren Schüler waren selbst berühmte Exegeten der Heiligen Schriften. Sie trugen mit zur Bekanntheit und zum Ruhm des RASHI bei. Die Schule von Troyes wurde zeitweise bekannter und berühmter als die Schulen von Worms, Mainz und Speyer.

Die Enkel Raschi´s, Samuel, genannt Raschbam, Isaak der Ribam, Jacob, der Rabbenu Tam waren ebenfalls berühmte Gelehrte

Jom Tov, ein anderer Enkel, gründete die Lehre der „Tosafot“. Das sind Ergänzungen zu den Kommentaren von RASHI.

Beim Studium des Talmuds bilden der eigentliche Text, die Erklärungen von RASHI, und die Tosafot eine Einheit, ohne die ein Verständnis unmöglich ist. Man kann das Eine ohne das Andere nicht verstehen.

Die Kommentare haben ihre einmalige Beliebtheit und Wirkung über die Jahrhunderte vor allem wegen ihrer Kürze, Treffsicherheit und Weisheit behalten.
Christliche Gelehrte wurden bei ihren Studien der Bibel von RASHI erheblich beeinflusst. Die Werke des RASHI wurden schon sehr früh in zahlreiche Sprachen übersetzt.

Um die Person des RASHI ranken sich zahlreiche Legenden, die meist auf die Wundertätigkeit und Einmaligkeit des Rabbi Salomon Isaak zielen.

Gestorben ist RASHI im Jahre 1349 in seiner Heimatstadt Troyes. Seine letzten Jahre wurden durch Pogrome im Rahmen des ersten Kreuzzuges überschattet. Er verlor dabei zahlreiche Angehörige und Verwandte.

Er wurde vermutlich auf dem Friedhof von Troyes begraben. Der genaue Platz seines Grabes ist heute nicht mehr bekannt.


Friedhöfe in Worms

Tafel am Eingang zum „Heiligen Sand“

In und um Worms herum findet man zahlreiche jüdische Friedhöfe. In der Stadt liegt der „Heilige Sand“ und der Friedhof im Stadtteil Hochheim, in der Umgebung von Worms liegen die Friedhöfe in Herrenstein, Pfeddersheim, Abenheim, Heppenheim, Offstein, Hernsheim und Pfiffligheim.

Der „Heilige Sand“ ist der älteste jüdische Friedhof Europas.

Der Friedhof „Heiliger Sand“

Der Eingangsbereich mit Tahara Halle

Der jüdische Friedhof „Heiliger Sand“ in der Nähe der Wormser Innenstadt ist der älteste, nahezu vollständig erhaltene jüdische Friedhof Europas. Er stammt aus dem Jahre 1034, der älteste Grabstein stammt aus dem Jahre 1058. Die letzten Bestattungen wurden in den 30er Jahren durchgeführt. Auf dem Friedhof befinden sich etwa 2000 Grabsteine.

Wichtige  Grabsteine stehen vor allen Dingen im so genannten Rabbinental. Hier befinden sich die Steine berühmter jüdischer Gelehrter, so Meir von Rottenburg von 1213, Alexander ben Salomon Wimpfen von 1307, Rabbi Nathan ben Isaak, Jakob Ben Halevi Molin (Maharil), Rabbi Meir ben Isaa und Elia Loanz, der berühmte Baal Schem.

Das Rabbinental
Gedenkstein für die 12 Parnassim

Im westlichen Teil des Friedhofs liegt das „Rabbinental“ mit einer besonderen Dichte an Steinen von Rabbinern und gelehrten Juden. 

Eine Gedenktafel, die in den südlichen Teil der Mauer eingelassen ist, bezeichnet die Grabstätte der 12 Gemeindevorsteher, die sich bei Verfolgungen im Rahmen der Kreuzzüge 1096 selbst töteten, ehe sie ihrem Gott untreu wurden und sich zur Konversion zwingen liessen.

Dies „Heiligungs des Namens“, Kiddusch Ha Shem, ist als letzte Konsequenz des Bekenntnisses zu Gott in die Literatur eingegangen.

Der Friedhof in Hochheim

Die Tahara Halle am Eingang

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts zeichnete sich ab, dass auf dem Friedhof „am Sand“ kein Platz mehr für Beerdigungen war.

Im Jahre 1911 wurde der jüdische Friedhof in Hochheim eingeweiht. Er grenzt an den kommunalen Friedhof. Die Trauerhalle und das Pförtnerhaus sind im neugotischen Stil gehalten. Sie wurden mehrfach renoviert
Der Friedhof wird bis zur Gegenwart belegt. 


Quellen und Literatur

Klaus Kienzler: Raschi. In: Bibliografisches Kirchenlexikon, (BKL). Band 14, Bautz, Herzberg 1998

Fritz Reuter: Warmaisa – 1000 Jahre Juden in Worms, Stadtarchiv Worms, 1984, 3. Aufl. 2009.

Jüdisches Leben in Bayern. Mitteilungsblatt des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern, 4 / 2005

100 Jahre Hauptfriedhof Hochheimer Höhe Worms 1902-2002. Festschrift zum 100jährigen Jubiläum des Wormser Hauptfriedhofs Hochheimer Höhe. Hg. von der Stadt Worms 2003

ZIWES, Franz-Josef, Forschungen zur Geschichte der Juden 1, Hannover 1994

Gerold Bönnen, Stadtarchiv/Jüdisches Museum WormsAus: Chistoph Kluse, Worms: Europas Juden im Mittelalter, Trier 2004, S. 432–442)

Spille, Irene, Juden in Pfeddersheim im 19. und 20. Jahrhundert. Darstellung der Geschichte der Gemeinde, der Synagoge und des Friedhofs. In: Der Wormsgau Nr.18, 1999

Kropp, Werner: Der Judenfriedhof in Worms-Heppenheim. In: Der Wormsgau 17, 1998

Miriam Magall, Raschi und die Synagoge in Worms: http://www.imdialog.org/md2005/04/07.html

http://www.zum.de/Faecher/G/BW/Landeskunde/rhein/staedte/worms/juden/mikwe1.htm

http://www.zum.de/Faecher/G/BW/Landeskunde/rhein/staedte/worms/juden/synag01.htm

http://www.zum.de/Faecher/G/BW/Landeskunde/rhein/staedte/worms/juden/judfrd01.htm

http://www.imdialog.org/md2005/04/07.html

http://www.app-juedische-orte.de.dariah.eu

http://de.wikipedia.org/wiki/Raschi

http://www.juedisches-recht.de/anf_raschi.php

http://www.jewishencyclopedia.com/articles/12585-rashi-solomon-bar-isaac

http://www.ursulahomann.de/JudenInRheinlandPfalz/komplett.html

Abbildungen im Text, jeweils als Wikpedia Commons gemeinfrei

1.Seite aus dem Talmud:

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:First_page_of_the_first_tractate_of_the_Talmud_(Daf_Beis_of_Maseches_Brachos).jpg

2.Rashi Holzschnitt:

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Rashi_woodcut.jpg

3.Wormser Juden, Ehepaar:

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Wormsjews.jpg?uselang

4.Historische Karte von Worms

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Worms_1630_P7160060.JPG

Autoren : Heiner Knester, Ilvesheim, Gisela & Wolfgang Heumann


Juden in Pfeddersheim (Worms)

Der heutige Stadtteil von Worms hat eine jahrhundertelange eigenständige Tradition, zeitweilig als Freie Reichsstadt, was sich noch heute im Ortsbild widerspiegelt.

Juden haben hier sicherlich schon vor 1444 gelebt, jedoch wurden 1470 alle Juden aus der Kurpfalz vertrieben, somit auch aus Pfeddersheim. Erst mit Ende des 30-jährigen Krieges 1648 gibt es wieder konkrete Informationen über die Anwesenheit und Tätigkeit von Juden. Eine jüdische Kultusgemeinde wurde jedoch erst 1834 gegründet. Bis dahin orientierten sich die Juden entweder nach Worms oder nach Grünstadt, wo sie die dortigen Synagogen besuchten.

Im Jahr 1834 erwarb die Gemeinde ein Grundstück, auf dem eine eigene Synagoge gebaut werden sollte. Viele widrige Umstände verhinderten dies jedoch jahrelang. Schließlich wurde das Grundstück wieder verkauft und ein neues Gelände erworben, auf dem 1842 der Synagogenneubau verwirklicht werden konnte. Der Rückgang der jüdischen Bevölkerung nach dem 1. Weltkrieg führte dazu, dass die Synagoge meist leer stand und nur ganz selten benutzt wurde. Sie wurde dann in der NS-Zeit an einen Privatmann verkauft – wodurch sie der Zerstörung durch die Nazis entging. Heute steht das Haus unter Denkmalschutz und kann für gesellschaftliche Anlässe verwendet werden.

Die wenigen verbliebenen Juden wurden von den Nazis grausam verfolgt, nur wenige konnten ins Ausland entkommen, die übrigen wurden in den Konzentrationslagern ermordet.


Der Friedhof in Pfeddersheim

In Pfeddersheim muss schon vor der Bildung der jüdischen Gemeinde 1834 ein Friedhof bestanden haben. Dies geht aus einer behördlichen Verfügung von 1831/32 hervor. die mit der Genehmigung eines neuen Friedhofs die Schließung des alten zur Bedingung machte.

Auf der jetzigen Begräbnisstätte wurden 62 Grabsteine identifiziert, dabei wird vermutet, dass bis zu 100 Gräber ursprünglich vorhanden waren. Viele der Verstorbenen waren Kinder bzw. Neugeborene, eigene Kindergräber wurden jedoch nicht angelegt. Der älteste Stein ist von 1834, der jüngste datiert von 1937. Aus den Inschriften und dem Vergleich mit vorliegenden Dokumenten konnten viele der Namen und persönlichen Daten erschlossen werden. Es stellte sich auch heraus, dass in Pfeddersheim auch Juden aus verschiedenen anderen Gemeinden bestattet wurden.


Quellen und Literatur (Pfeddersheim)

Spille, Irene: Juden in Pfeddersheim im 19. Und 20. Jahrhundert, in: Der Wonnegau, Wissenschaftliche Zeitschrift der Stadt Worms u nd des Altertumsvereins Worms e. V., 18. Band 1999

Arnsberg, Paul: Die jüdischen Gemeinden in Hessen, Frankfurt 1971

Zillien, Felix: In Stein gemeißelte Trauer, in: Wormser Zeitung vom 06.09.2006, aus www.jgmainz.de

http://www.alemannia-judaica.de/pfeddersheim_synagoge.htm

Autoren: Heiner Knester, Ilvesheim und Dietrich Bösenberg, Donauwörth


Juden in Heppenheim (Worms)

Bis 1969 hieß der Ort Heppenheim an der Wiese, bis er nach Worms eingemeindet wurde. Die Anwesenheit von Juden ist seit 1722 bezeugt. Ihre Zahl dürfte bis zum Jahre 1900 50 Personen nicht überschritten haben.

Als Ersatz für einen bescheidenen Betraum in einem privaten Haus wurde 1911 – 1913 eine Synagoge erbaut, die dann 1938 in den Novemberpogromen zerstört wurde.

Nach zahlreichen Ab- und Auswanderungen in den 1930er-Jahren waren 1940 nur wenige jüdische Einwohner in dem Ort verblieben, alle wurden von den Nazis deportiert.


Der Friedhof in Heppenheim

Die Toten der jüdischen Gemeinde Heppenheim wurden zunächst in Dalsheim, später in Pfeddersheim bestattet. Erst 1900 bestand ein eigener Friedhof, der bis 1935 benutzt wurde. Auf einer Fläche von 337 m2 sind 18 Grabsteine erhelten.
Der Friedhof wurde in der NS-Zeit mehrfach geschändet, 1945 dann wieder hergestellt.

Einige Ansichten vom Heppenheimer Friedhof


Quellen und Literatur (Heppenheim)

Arnsberg, Paul: Die jüdischen Gemeinden in Hessen, Frankfurt 1971

Kropp, Werner: Der Judenfriedhof in Worms-Heppenheim, in:http://www.worms.de/de/stadtteil/heppenheim/Judenfriedhof.php

http://www.alemannia-judaica.de/wo_heppenheim_friedhof.htm

http://www.xn--jdische-gemeinden-22b.de/index.php/gemeinden/h-j/2176-heppenheim-a-d-wiese-rheinland-pfalz

Autoren: Heiner Knester, Ilvesheim und Dietrich Bösenberg, Donauwörth


Juden in Herrnsheim

Herrnheim blickt auf eine über 1200 jährige Geschichte zurück, der Ort wird schon im 8. Jahrhundert erwähnt. 1942 wurde er in die Stadt Worms integriert. Im frühen 18. Jahrhundert war eine kleine jüdische Gemeinde entstanden, die jedoch 50 Personen nie überstieg. 1853 hat sie sich aufgelöst. In der NS-Zeit lebte nur noch eine jüdische Familie im Ort.

An Einrichtungen existierte eine Betstube (Synagoge) sowie eine Mikwe.


Der Friedhof in Herrnsheim

Seit Anfang des 18. Jahrhunderts besaß die Herrnsheimer Gemeinde einen eigenen Friedhof. Er umfasst eine Fläche von 31,67 a, die in zwei Schritten angelegt wurde. Der ältere Bereich ist fasst vollständig belegt, dort befinden sich die Gräber aus der Anfangszeit. Das Erweiterungsareal enthält die Gräber aus dem 19. Und 20. Jahrhundert. Der Friedhof wurde bis 1934 benutzt, heute sind rund 200Grabsteine erhalten.

Blick auf Eingang und einige Gräber


Quellen und Literatur

Alicke, Klaus-Dieter: Lexikon der jüdischen Gemeinden im deutschen Sprachraum, 2008

http://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCdischer_Friedhof_(Worms-Herrnsheim)

www.worms.de

http://www.alemannia-judaica.de/herrnsheim_synagoge.htm

Autoren: Heiner Knester, Ilvesheim, Dietrich Bösenberg, Donauwörth

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