Bottrop

Juden in Bottrop

Bottrop, „das größte Dorf Preußens“, liegt am Nordwestlichen Rand des Ruhrgebiets zwischen den Städten Essen, Oberhausen und Gladbeck. Bottrop erhielt erst 1919 die Stadtrechte.

Erstmalig lassen sich Juden in Bottrop ab 1808 nachweisen. Vorher gab es einzelne Juden, die sporadisch hier wohnten und wieder wegzogen. Die Höchstzahl von jüdischen Bürgern wurde im Jahre 1932 mit 225 Menschen erreicht. Die hohe Zahl erklärt sich zum Einen durch den Zuzug von „Ostjuden“, die als billige Arbeitskräfte für den Bergbau angeworben wurden zum Anderen durch die Zuwanderung von „Landjuden“ in die prosperierenden Ruhrgebietsstädte.

Die Bottroper Juden gehörten offiziell zur Synagogengemeinde Dorsten, besuchten aber die Synagoge in Holten und beerdigten dort auch ihre Toten.

Bereits ab 1933 begannen in Bottrop antijüdische Maßnahmen, die zur Emigration zahlreicher Juden führte. Im Jahre 1939 kam es zu erheblichen Gewalttätigkeiten, zahlreiche Juden flohen.

Die verbliebenen 9 Juden wurden deportiert und ermordet.

Vor 1990 wurde auf einem Dachboden ein Korb mit jüdischer Literatur gefunden. Er befindet sich in den Museen Essen und Dorsten.

Eine Synagoge gab es in Bottrop nicht, aber einen kleinen Betsaal in der heutigen Tourneaustrasse 11. Er wurde von den 20er Jahren an benutzt. Vorher fanden die Gottesdienste in angemieteten Sälen von Gastwirtschaften statt. Der Betsaal war nach Aussagen von Zeitzeugen sehr klein, hatte eine niedrige Decke und war sehr beengt. Der Eingang zum Betraum war nur über eine Lagerhalle zu erreichen.

In der Prosperstrasse gab es einen Betraum für orthodoxe Gläubige sowie einen Raum für Talmud- und Toraschulungen.


Der Friedhof von Bottrop

Der Friedhof von Bottrop liegt am Westring innerhalb des Kommunalfriedhofes. Er wurde im Jahre 1898 angelegt. Bis zu dieser Zeit beerdigten die Bottroper Juden ihre Toten auf dem Holtener Friedhof. Auch auf den Friedhöfen in Essen liegen Juden aus Bottrop.

Gedenktafel zum Auschwitz Tag 2016

In den Jahren vor 1930 wurde der Friedhof zu klein. Er sollte erweitert werden, eine Leichenhalle für die Tahara – Rituale war geplant. Eine Einigung zwischen den rivalisierenden Konservativen und orthodoxen Gläubigen konnte jedoch nicht erzielt werden. Die Auseinandersetzung wurde wegen der einsetzenden Verfolgung und Dezimierung der Gemeinde gegenstandslos.

Es sind nur noch wenige Steine und eine Gedenkplatte vorhanden. Im vorderen Anteil stehen Steine, die an verstorbene jüdische Zwangsarbeiter erinnern. Blanka Pollak und Schari Widder wurden bei Luftangriffen tödlich verletzt. Das zwölfjährige Kind einer ungarischen Zwangsarbeiterin ist im vorderen rechten Friedhofsteil beigesetzt.

Die ursprünglich vorhandenen Mauer aus weißen Ziegelsteinen ist nicht mehr vorhanden, sie ist durch einen Drahtzaun ersetzt. Die Anordnung der Steine entspricht nach dem Kataster nicht der Lage der Gräber. Das liegt auch daran, dass der Friedhof in der NS Zeit völlig zerstört war.


Quellen und Literatur

Alicke, Klaus-Dieter, Lexikon der Jüdischen Gemeinden im Deutschen Sprachraum, Gütersloher Verlagshaus 2008

http://www.xn--jdische-gemeinden-22b.de/index.php/gemeinden/a-b/454-bottrop-nordrhein-westfalen

http://www.zentralratdjuden.de/de/article/4655.aus-den-gemeinden-j%C3%BCdisches-leben.html

Pracht-Jörns, Elfi, Jüdisches Kulturerbe IV, Bachem, 2002

Gisela&Wolfgang Heumann, ,7_2015

Show CommentsClose Comments

Leave a comment