Leipzig

Juden in Leipzig

Bereits im 12. Jahrhundert gab es in Leipzig eine jüdische  Gemeinde mit Bethaus und Schule. Leipzig war damals das Zentrum des Pelzhandels, die Juden hatten maßgeblichen Anteil daran. Sie waren in Sachsen selbst verfolgt und auch im Handel erheblichen Beschränkungen ausgesetzt.

Etwa vom Jahre 1700 an durften sich offiziell Juden in Leipzig niederlassen. Um 1830 gab es eine erste offizielle jüdische Gemeinde, gegründet von osteuropäischen Kaufleuten aus Galizien. Es gab zahlreiche Betstuben und ab 1814 auch einen eigenen Friedhof.

Im Jahre 1855 wurde die große Synagoge, „der Tempel“, in der Stadtmitte eingerichtet. Die jüdische Gemeinde entwickelte sich zu einer der größten Gemeinden Deutschlands mit etwa 12000 Mitgliedern um 1925. Es bestanden 14 Synagogen, Schulen, ein Altersheim, ein Waisenhaus, das jüdische Krankenhaus, die Wohnsiedlung in Neugohlis und zahlreiche soziale und gesellschaftliche Einrichtungen.

Juden hatten einen erheblichen Anteil am geschäftlichen Leben. Das erkannt man auch daran, dass bis 1940 etwa 1600 Geschäfte „zwangsenteignet („arisiert“) wurden.

Ab 1933, ehe im gesamten Deutschen Reich die gezielten Verfolgungen und Einschränkungen einsetzten, tat sich Leipzig durch Boykottmaßnahmen gegen jüdische Mitbürger hervor.

Nach Verfolgungen und Quälereien begannen ab 1938 die gezielten Transporte in die Vernichtungslager. Bis 1944 waren die meisten Juden abtransportiert und ermordet. Die Verfolgungen überlebten etwa 300 jüdische Menschen.

Die Synagogen wurden bis auf die Brodyer Synagoge geschändet, verbrannt, zerstört und gesprengt.

Die  Brodyer Synagoge wurde in den letzten Jahrzehnten restauriert und dient heute wieder als Synagoge.

Die Beth Jehuda Synagoge wird als Wohnhaus benutzt, die Mikwe ist erhalten.

An einige zerstörte Synagogen erinnern Mahnmale oder Gedenktafeln. Zu DDR Zeiten wurden die noch verbliebenen jüdischen Bürger zwar geduldet, litten aber unter zahlreichen Repressionen.

Nach 1991 hat sich die Stadt Leipzig in bemerkenswerter Weise um die Aufarbeitung der jüdischen Geschichte und Kultur bemüht.

Heute leben wieder, vorwiegend durch Zuzug aus der ehemaligen Sowjetunion, etwa 1500 Juden in Leipzig.


Der neue Friedhof in Leipzig

Im Jahre 1928 wurde der „Neue Friedhof“ nach jahrelanger Planung und dem Bau einer großen Feierhalle mit riesiger Betonkuppel eingeweiht. Er liegt im Stadtteil Eutrizsch. Im Jahre 1938 wurde die Halle angezündet, ein Jahr später gesprengt. Im Jahre 1955 baute man eine neue Halle, die jedoch wesentlich kleiner ausfiel als das alte Bauwerk.

Der alte jüdische Friedhof

Der älteste, heute nicht mehr existierende Friedhof, wurde im Jahre 1814 südlich des heutigen Stadtzentrums im Johannistal gegründet. Er ist heute durch Kliniken der Universität Leipzig überbaut. Dieser Friedhof hatte bis 1864 Bestand und wurde im Jahre 1936 durch Anordnung der Gemeinde aufgelöst. Die Gebeine und einige der Grabsteine wurden auf den Friedhof an der Delitzscher Straße gebracht.

Ab 1864 wurde der “Alte Jüdische Friedhof“ an der Berliner Strasse gegründet. Er wurde bis 1928 genutzt und weist acht Begräbnisfelder mit einer Abteilung von Kindergräbern, aber auch große monumentale Steine und Begräbnishäuser auf. Eine Wiese im linken Teil des Friedhofs wurde bis in das Jahr 1944 als –verbotener- Spielplatz für jüdische Leipziger Kinder benutzt, da ihnen die Benutzung von öffentlichen Spielplätzen verboten war.

Der Friedhof wurde während der NS-Zeit geschändet, viele Grabsteine zerstört und entwendet. An die nicht mehr vorhandenen Grabsteine erinnern, soweit man die Lage der Gräber noch bestimmen konnte, kleine Bronzewürfel mit den Namen der verstorbenen Personen.

Der alte Friedhof Berliner Strasse


Quellen und Literatur

http://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCdische_Gemeinde_Leipzig

http://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCdische_Gemeinde_Leipzig

http://www.juedischesleipzig.de/deutsch/download/juden_in_leipzig.pdf

Steffen Held, Die Leipziger Stadtverwaltung und die Deportation der Juden im NS – Staat, Stadtgeschichtliches Museum Leipzig, 2008

http://juden-in-sachsen.de/files/stadtfuehrer.pdf

http://www.alemannia-judaica.de/sachsen_friedhoefe.htm#Leipzig%20%28L%29

Brocke/Ruthenberg/Schulenburg S. 447-472: Juden in Leipzig. Eine Dokumentation Leipzig 1988.

Heinrich Magirius; Hanna Fiedler: Die Bau- und Kunstdenkmäler in Sachsen. Stadt Leipzig. Die Sakralbauten. Deutscher Kunstverlag, München 1995, Bd. 1

Brocke/Ruthenberg/Schulenburg Stein und Name. Die jüdischen Friedhöfe in Ostdeutschland, Institut Kirche und Judentum, Band 22, Berlin 1994

Autoren: W.+ G. Heumann

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