Siegen

Jüdisches Leben in Siegen

Bereits im 13. Jahrhundert lassen sich einzelne Juden in Siegen und Umgebung nachweisen. Nach den Verfolgungen im 14. Jahrhundert als Folge der Pest wurden wohl auch die Siegener Juden vertrieben. Jedenfalls hörte man für einige Jahrhunderte nichts mehr von jüdischen Einwohnern.

Vom Beginn der Reformation an bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts finden Juden Erwähnung, allerdings meist in Dokumenten über Verfahren, in denen ihre Rechte als Kaufleute und Bürger eingeschränkt werden sollten.

Erst durch ein neues preußisches Gewerbegesetz wurde es Juden ab 1847 erlaubt, in Siegen zu wohnen und Handel zu treiben. Von dieser Zeit an stieg die Zahl der jüdischen Bürger in Siegen deutlich an. Im Jahr 1900 hatte die Synagogengemeinde Siegen 97 Mitglieder. Die Gottesdienste wurden zunächst in Privathäuser, dann ab 1904 in der neu errichteten Synagoge abgehalten.

Siegen: Schicksalsjahre

Im November 1939 wurde die Siegener Synagoge an der Grabenstrasse zerstört. Weit über 100 jüdische Bürger wurden zwischen 1938 und 1945 getötet.

An der Stelle der Synagoge wurde später ein Bunker errichtet. Heute befindet sich in dem ehemaligen Bunker ein Museum, das an die jüdischen Gemeinden im Siegerland erinnert.

Die Aufarbeitung der Geschichte und der menschlichen Schicksale erfolgt in vorbildlicher Weise, es wurden zahlreiche Stolpersteine verlegt.


Die Friedhöfe in Siegen

Für die Juden in der Umgebung von Siegen gab es zunächst nur den Friedhof in Burgholdinghausen. Mit steigender Zahl der Siegener Juden war es erforderlich, einen eigenen Friedhof am Ort zu haben. Im Jahre 1870 erfolgte die erste Beerdigung auf dem Nordhang des Lindenberges. Seit 1912 wird auf dem kommunalen Friedhof an der Hermelsbach das Feld 13 mit jüdischen Gräbern belegt.

Zu den Bildern der Friedhöfe:

Der Friedhof „Am Lindenberg“

Dieser Friedhof wurde bis 1921 belegt. Das Areal wird zur Strasse hin durch eine hohe Backsteinmauer und ein grosses eisernes Tor begrenzt. Hinter dem Tor führt ein steiler, breiter Weg zum oberen Ende des Grundstücks. 
Insgesamt sind hier etwa 60 Personen bestattet worden. Genaue Zahlen fehlen, da ein Teil der Dokumente im Krieg verbrannte.

Die Grabsteine sind meist aus Sandstein gehauen und in der Regel beidseitig beschriftet, mehrere in jiddischer Sprache. Das deutet auf eine Herkunft des Verstorbenen aus dem Osten hin. Die Ausführung ist schlicht und ohne aufwendige Epigrafien.

Der Friedhof an der Hermelsbach

Das Feld 13 des kommunalen Friedhofes ist jüdischen Gräbern vorbehalten. Der jüdische Friedhof wird seit 1912 belegt. Es finden sich 90 Gräber, darunter auch Gräber von russischen Zwangsarbeitern, die bis 1945 in Siegen verstarben.

Aus dieser gemischten Belegung ergeben sich Probleme. Zum einen ist der Friedhof nach jüdischem Verständnis durch die Beisetzung Andersgläubiger rituell verunreinigt. Zum anderen wäre zurzeit kein Platz mehr für einen jüdischen Toten vorhanden. Eine Lösung dieses Problems ist schwierig. Im Jahre 1951 wurde ein Gedenkstein für die Opfer des Nationalsozialismus aufgestellt.

Auf dem Friedhof finden sich meist Grabsteine aus Granit, seltener aus Sandstein. Die Beschriftungen erfolgten in deutscher Sprache. In hebräischen Buchstaben sind nur die jüdischen Namen aufgeführt, die eine rituelle Bedeutung haben. Es findet sich auf den Grabsteinen wenig und schlichter epigrafischer Schmuck.

zu den Quellen und der Literatur

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