Vöhl

Juden in Vöhl

Vöhl ist ein kleinerer Ort am Edersee in den östlichsten Ausläufern des Sauerlandes.

Um das Jahr 1700 lassen sich mehrere jüdische Familien im Ort als Haus- oder Grundbesitzer nachweisen.
Um 1850 waren etwa 100 der 600 Vöhler Bürger Juden. Sie waren in das soziale Leben des Dorfes voll integriert. Die Anzahl der jüdischen Bürger nahm bis zum Beginn der nationalsozialistischen Ära stetig ab. Um 1931 lebten noch 31 Juden in Vöhl. Ein Teil dieser Menschen konnte sich ins Ausland retten, der Rest wurde deportiert und ermordet.

Die Synagoge in der Mittelgasse wird erstmalig im Jahre 1827 erwähnt. Das Bauwerk hat sich vom äußeren Zustand her vermutlich weitgehend unverändert erhalten. Eine Balkeninschrift aus den Gründungsjahren verrät auch heute noch die damalige Nutzung als Synagoge.

Fotos aus dem Beginn der 30er Jahre zeigen eine Inneneinrichtung mit Leuchtern, Thoraschrein, einer Frauenempore, vermutlich mit Trenngittern und ein Außenfenster mit einem großen Davidstern. Die Synagoge wurde bis in die 30er Jahre benutzt. Sie entging der Vernichtung, weil sie rechtzeitig verkauft und anderweitig benutzt wurde. 
Die sakralen Gegenstände sind verschwunden. In dem Haus wohnten seit 1938 mehrere Mieter, die keine wesentlichen baulichen Veränderungen vorgenommen haben. Nach dem Versterben des letzten Bewohners gründete sich 1999 der „Förderkreis Synagoge Vöhl“, der die Synagoge zunächst kaufte und sie dann in vorbildlicher und beispielhafter Weise aufwändig renovierte. 
Die Synagoge ist zu einem lebendigen kulturellen Zentrum der Erinnerung, der Besinnung und der Wiedergutmachung geworden. 
Der Förderkreis hat in bemerkenswerter und akribischer Arbeit detaillierte Daten zur Geschichte der Juden in der Region zusammengetragen und sie auf der Webseite www.synagoge-voehl.de veröffentlicht.
Der Besuch dieser Seite lohnt sich, weil hier die Geschichte der Juden in allen Einzelheiten und interessant aufbereitet dargestellt wird.


Der Friedhof in Vöhl

Der jüdische Friedhof von Vöhl liegt in der Herzingsgrube oberhalb der Stadt.

Er wurde ab dem Jahre 1831 offiziell als Friedhof geführt, jedoch schon vorher für Begräbnisse benutzt.

Nach 1940 wurden die Grabsteine abgeräumt und vermutlich für Baumassnahmen oder beim Straßenbau verwendet. Heute sind noch 46 Grabsteine erhalten. Sie stehen nicht am ursprünglichen Platz. Manche Steine wurden bei der Restauration zu tief eingegraben, so dass Teile der Inschrift nicht mehr lesbar sind, ein Stein steht auf dem Kopf.

Die Steine stehen in 11 Reihen ausgerichtet. Sie sind sehr unterschiedlich gestaltet. Ehemals vorhandenen Marmor- oder Steinplatten sind verschwunden.Die ältesten Steine weisen, wie auf anderen Friedhöfen auch, nur eine hebräische Inschrift auf. Gegen Ende des 19. Jahrhundert wurde es Mode, die Grabsteine hebräisch und deutsch zu beschriften. Die neueren Inschriften sind nur noch in deutscher Sprache ausgeführt.

Die Verzierungen auf den Steinen weist die üblichen und auch von anderen Friedhöfen bekannten epigrafischen Verzierungen von Blumen über Fackeln bis hin zu Vasen auf.

Einige Grabsteine weisen eine unübliche Verzierung auf. Es finden sich auf den Grabsteinen von Frauen der Familie Katzenstein die Hände, wie sie von den Kohanim, den Priestern, beim Aaronitischen Segen in der typischen Haltung abgebildet sind. Diese Abbildungen kommen sonst ausschliesslich bei Männern aus Kohanitischen Familien vor.

zu den Quellen und der Literatur

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