Krumbach – Hürben

Juden in Krumbach – Hürben

Gedenkort an der Stelle der Synagoge Foto Wassily (Lizenz siehe Quellen)

Das Dorf Hürben, bis 1902 eine selbständige Gemeinde und seither Ortsteil von Krumbach/Schwaben, hat eine reiche jüdische Geschichte. Einige jüdische Familien sind schon 1504 erwähnt, weiterer Zuzug ergab sich aus der Vertreibung der Juden aus Donauwörth 1518 und anderen Städten der Region, wie Günzburg, Thannhausen. Neben Ichenhausen wurde Hürben ein zentraler Ort für die Juden in Schwaben. Schon 1674/75 wurde eine eigene Synagoge gebaut, sie erfuhr bald einige Erweiterungen, um schließlich 1819 in einen kompletten Neubau einbezogen zu werden.Dabei entstanden auch Mikwe, Grundschule und Lehrerwohnung.

In Anbetracht der Größe der Hürbener Gemeinde mit lange Zeit über 500 Mitgliedern, entstand ein reiches gesellschaftliches Leben, das sich in der Gründung zahlreicher jüdischer Vereine auswirkte: Israelitischer Männerverein (Chewra Kaddisha) und ein entsprechender Frauenverein, Industrieverein und ein Holzverteilungsverein sowie ein jüdisches Kindererholungsheim.

Infolge der Judenemanzipation in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts zogen viele jüdische Bürger Hürbens in die Großstädte oder emigrierten, so dass die Gemeinde erheblich schrumpfte. 1933, zu Beginn der NS-Zeit, lebten gerade noch 65 Juden in Krumbach/Hürben, von denen 38 Personen verschleppt und ermordet wurden.


Der Friedhof Krumbach – Hürben

Bis 1628 mussten die Toten der Hürbener Juden zur Bestattung ins 30 km entfernte Burgau transportiert werden, da die vorderösterreichische Regierung einen eigenen Friedhof nicht gestattete. Erst als die Einwohner von Burgau und Umgebung, u.a. im Zusammenhang mit den Wirren des 30-jährigen Krieges Angst vor Ansteckung mit Pest und anderen Seuchen äusserten, durfte 1628 in Hürben ein jüdischer Friedhof angelegt werden. Nach einer Erweiterung 60 Jahre später besteht er in der heutigen Form, mit einer Fläche von 3250 m2. Er ist umgeben von einer durchgehenden Steinmauer, in die 1898 die neue erbaute Tahara integriert wurde. Ihr Zustand ist heute recht bedenklich, eine Sanierung und Pflege sind dringend erforderlich.

Auf dem Friedhofsgelände stehen heute rund 300 Grabsteine, jedoch dürfte die Zahl der Bestatteten wesentlich höher sein. Die in früherer Zeit überwiegend aus Holz bestehenden Grabmale haben die Zeit und vor allem die Verwendung als Brennmaterial durch die napoleonischen Truppen im Jahre 1800 nicht überstanden. Die Grabsteine stehen im nordwestlichen Teil in dichten Reihen und sind teilweise schwer zu lesen. Aber auch ansehnliche Grabsteine zum Teil mit Goldinschrift sind vorhanden. Sehenswert ist das Grab von Gustav Landauer (1919 als Mitglied des Zentralrats der bayerischen Räterepublik ermordet) sowie seiner Frau Hedwig Lachmann, die als Dichterin und Übersetzerin klassischer Literatur bekannt wurde.

weitere Bilder vom Friedhof


Quellen und Literatur

Schwierz, Israel: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern, München 1988

http://www.jüdische-gemeinden.de/index.php/gemeinden/h-j/970-huerben-krumbach-schwaben-bayern

http://www.ikg-bayern.de/frs/fr_056.html

Michael Trüger, Geschlossene und verwaiste jüdische Friedhöfe in Bayern

http://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCdische_Gemeinde_H%C3%BCrben

Bild „Gedenkort“ unter the Creative Commons Attribution-Share Alike 2.5 Generic, 2.0 Generic and 1.0 Generic license        

Autor: Dietrich Bösenberg, Donauwörth

Show CommentsClose Comments

Leave a comment