Röbel an der Müritz

Jüdisches Leben in Röbel an der Müritz

Röbel ist eine Kleinstadt mit ca. 5000 Einwohnern und liegt in der Mecklenburger Seenplatte am Südwestufer der Müritz.

Man vermutet, dass es schon im frühen Mittelalter eine jüdische Gemeinde in Röbel gegeben hat. Nach den Pogromen des ausgehenden 15. Jahrhunderts siedelten erst wieder um das Jahr 1700 Juden in Röbel. Es liegen Schutzbriefe und Handelsbriefe aus der Mitte des 18. Jahrhunderts vor. Die Juden wurden bei der Kolonisation des Ostens als Händler und Geldwechsler und wegen ihrer weit reichenden Verbindungen ins Land gerufen. Sie erweckten in diesen Funktion Neid und Missgunst und wurden oft angefeindet. Sie bekamen allerdings auch zunehmend bürgerliche Rechte und durften Grundbesitz erwerben.

Um 1828 lebten in Röbel 87 Juden, 1933 nur noch 12 Personen. In den Jahren 1941 und 1942 wurden die letzten Juden aus Röbel in den Konzentrationslagern ermordet.

Im Jahre 1831 wurde die Synagoge in der Kleinen Stavenstraße gebaut. Bis ungefähr 1920 wurden hier Gottesdienste gehalten, danach reichte die Anzahl der Gläubigen nicht mehr für die religiösen Feiern aus. Die Synagoge wurde verkauft und als Garage benutzt. Erst nach der Wende wurde eine langfristige Sanierung in Angriff genommen.

Schüler des örtlichen Gymnasiums haben in einem Projekt Zeitzeugen befragt und die Interviews gefilmt. Es ist ein bemerkenswertes Dokument über das damalige jüdische Leben und das Verhältnis der Juden von Röbel mit den damaligen Nachbarn entstanden.


Der Friedhof in Röbel

Nahe der alten Stadt Röbel soll bereits um das Jahr 1200 ein jüdischer Friedhof vorhanden gewesen sein. Sichere Daten fehlen jedoch.

Als Friedhof wurde im Jahre 1700 eine Fläche von ca. 33 qm an der Mirower Straße, vor der ehemaligen Stadtmauer, gekauft und einige Jahrzehnte später eingezäunt. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts kam es wegen der steigenden Mitgliederzahlen der Gemeinde zu einer Erweiterung des Friedhofs, da die Fläche für die Beerdigungen nicht mehr ausreichte. Unterlagen über die Bestattungen sind nicht erhalten. Die letzte Bestattung fand 1937 statt.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts und vor dem ersten Weltkrieg kam es parallel zum Erstarken des Antisemitismus zu Friedhofsschändungen. 1938 wurde der gesamte Friedhof durch die SA stark beschädigt, 1942 wurden die eisernen Gitter und andere Metallteile demontiert und eingeschmolzen, die meisten Grabsteine wurden an einen Steinmetz verkauft.

Endgültig zerstört wurde der Friedhof, als 1945 die Rote Armee hier ein Kriegsgefangenenlager errichtet. Später wurde auf dem Gelände eine Tankstelle errichtet. Heute sind nur noch zwei Grabsteine erhalten, die auf dem Hof der restaurierten Synagoge und an einer der Stadtkirchen aufgestellt sind.

Als 2002 ein Supermarkt auf dem Friedhofsgelände errichtet werden sollte, wurde Protest laut. Ein Deutsch – Armenisches Workcamp errichtete Stelen aus Beton und Lehm, die an die ehemaligen Grabsteine erinnern sollen. Die Stelen wurden mehrfach zerstört.

Von dem eigentlichen Friedhof ist nichts mehr vorhanden. Die Einfriedung und die Stelen stammen von einer Aktion aus dem Jahre 2003. Mitten über den Friedhof führt ein Fußweg. Und wenn nicht einige wenige Menschen Widerstand geleistet hätte, dann stünde der Supermarkt jetzt mitten auf dem Friedhof. 

Der jüdische Friedhof in Röbel hat mich sehr berührt, aber anders als vergleichbare Friedhöfe:

Auf der einen Seite die bemerkenswerten Bemühungen einer Gruppe von Jugendlichen aus aller Welt, die Erinnerung wach zu halten. Ein Heimatverein, der zahlreiche Publikationen herausgibt.

Auf der anderen Seite die traurige Gleichgültigkeit im Umgang mit diesem Friedhof. Ein Trampelpfad mitten über das Gelände, keine Umzäunung und vor Jahren um ein Haar ein Supermarkt mitten auf dem Friedhof. 
Schändungen und Verwüstungen dieses Geländes passen sich nahtlos in diese Gleichgültigkeit ein.

zu den Quellen und der Literatur

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