Michelstadt im Odenwald

Jüdisches Leben in Michelstadt

Die ehemalige Synagoge heute Jüdisches Museum

Michelstadt mit seinen rund 16 000 Einwohnern liegt im hessischen Odenwald und ist u.a. berühmt durch die aus dem 9. Jahrhundert stammende Einhardsbasilika.

Die Grafen von Erbach, zu deren Gebiet Michelstadt jahrhundertelang gehörte, betrieben hier zeitweise eine Münzstätte, die 1570 an zwei Juden verpachtet wurde. Ab Mitte des 17. Jahrhunderts lebten dann kontinuierlich jüdische Familien im Ort. Ihre Höchstzahl erreichte um 1837 205 Personen. Später sank die Zahl der jüdischen Bürger wieder, 1931 waren es nur noch 90 Personen, 1939 noch 26.

Von besonderer Bedeutung für den Ort und weit darüber hinaus war der bis heute berühmte Rabbiner und „Wundertäter“ Seckel Löb Wormser, der von 1768 oder 1769 bis 1847 lebte. Wegen seiner Begabung war er von seiner Familie schon früh für eine religiöse Laufbahn vorgesehen worden. Später eröffnete er selbst eine Thora-Lehranstalt, die damals großen Zulauf hatte. Ausserdem betätigte er sich als Botaniker, Obstzüchter und Heilkundiger und lebte persönlich bescheiden, ja asketisch. Er kümmerte sich um fahrendes Volk aller Art, Juden und Nichtjuden. Sein Ansehen hat sich bis heute erhalten.

1791 errichtete man in Michelstadt eine Synagoge als Ersatz für einen Vorgängerbau. Sie wurde zwar beim Pogrom im November 1938 beschädigt und das Inventar zerstört, jedoch blieb das Gebäude erhalten und dient heute als Jüdisches Museum.

Die jüdische Bevölkerung erlitt immer wieder Anfeindungen, jedoch blieb es dem NS-Regime vorbehalten, die damalige jüdische Gemeinde auszulöschen. Viele Menschen wurden deportiert und schliesslich ermordet, nur einigen gelang rechtzeitig die Auswanderung. Heute besteht wieder eine jüdische Gemeinde in Michelstadt.


Der Friedhof in Michelstadt

Der Eingang zum Friedhof

Der jüdische Friedhof in Michelstadt wurde um 1700 angelegt. Die älteste Grabsteininschrift ist von der Zeit um 1725. Der Friedhof ist mit einer Mauer umgeben,seine Fläche beträgt 73,72 a. Er wurde auch von jüdischen Gemeinden der Umgebung benutzt, bis ein Teil dieser Orte eigene Friedhöfe anlegte (Höchst, Bad König). Beim Novemberpogrom 1938 wurden die Tahara des Friedhofes und viele Grabsteine demoliert. Noch schlimmer wurde er im Krieg behandelt, als hier Baracken errichtet und die Gräber rücksichtslos weggeschaufelt wurden. Nach 1945 wurde der Friedhof von der Stadtverwaltung wieder in Ordnung gebracht. 125 Grabsteine sind heute noch vorhanden.

Bilder vom Friedhofsgelände in Michelstadt

Eindrücke von den Grabsteinen in Michelstadt

Auf dem Michelfelder Friedhof sind 125 Grabsteine erhalten. Ihre Vielfalt und Eigenart wird auf der Diaschau deutlich. Interessant ist das erneuerte Grab des Seckel Löb Wormser, des sehr häufig besucht wird, zu erkennen an den zahlreichen Steinen.

Diaschau der verschiedenen Grabsteine

Die Bildunterschriften wurden teilweise übernommen von www.lagis-hessen.de


Quellen und Literatur

Arnsberg, Paul: Die jüdischen Gemeinden in Hessen, Frankfurt 1971

Alicke, Klaus-Dieter: Lexikon der jüdischen Gemeinden im deutschen Sprachraum, 2008

http://www.alemannia-judaica.de/michelstadt_friedhof.htm

Die Bildunterschriften wurden teilweise übernommen aus http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/gsearch/page/2/mode/list/setmode/list/sn/juf?q=michelstadt

Autoren: Heiner Knester, Ilvesheim, Dietrich Bösenberg, Donauwörth

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