Olmütz (Olomouc)

Juden in Olmütz

Talmidavi * Creative Commons * CC BY-SA 4.0

Olmütz ist eine grössere Universitätsstadt im Osten von Tschechien in der Region Mähren

„Möglicherweise lebten Juden in Olmütz bereits im 10., sicherlich aber im 11. Jh. Aus dem Jahr 1140  datiert die erste Erwähnung eines ‚Judenquartiers’ in der Stadt.

Anders als bei den meisten Judenvertreibungen jener Zeit, die in der Regel mit Mord und Totschlag verbunden waren, mußten die Olmützer Juden im Jahre 1454 zwar die Stadt verlassen, durften aber ihre beweglichen Habe mit sich nehmen.

Erst in der ersten Hälfte des 19. Jh. wurde einzelnen Juden wieder der Zuzug in die  Stadt erlaubt, nach 1850 stieg ihre Zahl rasch an und Olmütz entwickelte sich zu einem der bedeutendsten jüdischen Zentren in Mähren. Waren dort 1857 erst 72 Jüdinnen und Juden ansässig, so wuchs deren Zahl bis zur Wende zum 20. Jh. auf 1600, das waren 7,7% der Gesamtbevölkerung.

1863 wurde ein Bethaus in einer Privatwohnung eingerichtet, zwei Jahre später ein jüdischer Kultusverein gegründet, aber eine offizielle Gemeinde konstituierte sich erst 1891. 1893-97 wurde eine prächtige Synagoge im maurischen Stil errichtet, allein schon ihre Größe – sie bot insgesamt 740(!) Gläubigen Platz – zeugt vom Wohlstand und der Bedeutung der Olmützer jüdischen Gemeinde. 

Die Synagoge wurde bereits im März 1938 niedergebrannt, die jüdische Bevölkerung ab 1941 über Theresienstadt nach Auschwitz und in andere Vernichtungslager verschleppt.

Nach 1945 entstand wieder eine jüdische Gemeinde in Olmütz, die jedoch auf Grund von Auswanderung bzw. Überalterung nur wenige Jahre bestand. 1991 wurde die heute bestehende jüdische Gemeinde gegründet.“

Dr. Hans-Peter Laqueur


Der jüdische Friedhof von Olmütz

„Der erste Friedhof wurde 1867 nahe dem heutigen angelegt, er wurde 1940 restlos zerstört. Nach 1900 entstand innerhalb des städtischen Friedhofes der neue jüdische Friedhof, der die Jahre der NS-Okkupation ohne wesentliche Beschädigung überstand.

Der jüdische Friedhof ist Teil des städtischen Friedhofes Neředin westlich der Innenstadt, an der  tr. Míru (der Straße 448 in Richtung Těšetice-Drahanovice) gelegen. Man erreicht ihn vom Zentrum mit der Straßenbahn Linie 2 bis zu deren vorletzter Haltestelle ‚Hřbitovy’.

Unmittelbar hinter dem Eingangstor dort wendet man sich nach rechts und sieht vor sich das neogotische Zeremonialgebäude, dahinter erstreckt sich der Friedhof. Am anderen Ende der Hauptachse liegt die Gedenkstätte für die ermordeten Jüdinnen und Juden aus Olmütz.

In wesentlichen Teilen ist der Friedhof gut gepflegt, aber in seiner südwestlichen Ecke der Natur überlassen und überwachsen (Stand Juli 2017).

Unweit links vom Friedhofseingang liegt eine deutsche Kriegsgräberstätte und beinahe unmittelbar daneben eine solche für die Gefallenen der Roten Armee.“

Dr. Hans-Peter Laqueur


Quellen und Literatur

https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCdische_Gemeinde_Olm%C3%BCtz

http://www.jüdische-gemeinden.de/index.php/gemeinden/m-o/1526-olmuetz-maehren

http://juedischerundschau.de/juedisches-leben-in-maehren-135911129/

https://de.wikipedia.org/wiki/Synagoge_Olm%C3%BCtz

Fotos und Texte: Dr. Hans-Peter Laqueur, 2017; Layout: Gisela&Wolfgang Heumann, 4-2019

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